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sinnundverstand

Überlegungen zur Ferienlektüre

2019-07-12 08.25.32
Was in den Ferien mitkommt (unter anderem auch Leseexemplare, ich Glückliche)

Demnächst geht es in den Urlaub. Allein der Gedanke löst in mir ein aufgeregtes Gefühl von Luxus aus. Zwischendurch hatte ich aus verschiedenen Gründen über Jahre hinweg zwar mal frei, aber Urlaub im Sinne von Wegfahren über die Länge eines Wochenendes hinaus - das findet erst seit einer Weile mehr oder weniger regelmäßig statt. Frei und fern von Zuhause zu sein, das verändert das Lesen. Insbesondere verändert es die Vorbereitung auf das Lesen auswärts. Reist man nicht gerade innerhalb des eigenen Sprachraums, bedarf es zumindest für die nicht-digitale Lektüre einer guten Vorbereitung. Ich liebe das.

Am liebsten würde ich schon Wochen vorher die Zeltutensilien und den Kram fürs Wandern und Radfahren zusammenpacken. Das sorgt in diesem Haushalt für atmosphärische Irritationen. Die Vorbereitung der Ferienlektüre indes lässt sich unauffälliger gestalten.

Ferienlektüre will gut ausgewählt sein.

Der Luxus vom Lesen im Urlaub ist ja, sich einfach mal zeitvergessen in Wörte, Sätze, eine Geschichte fallen lassen zu können. Ich las Tolstois Krieg & Frieden zum größten Teil auf einem Campingplatz in den Cevennen. Das ging sehr gut. Ist aber auch ein sehr gutes Buch.

Also, umfangreicher darf es sein. Ich bin, glaube ich, eine eher konservative Leserin und mag (Familien-)Geschichten, in denen ich nebenbei auch etwas über historische oder kulturelle Entwicklungen erfahre. Ich folge anderen gern beim Denken. Sprache. Lässt sich schwer in Worte fassen - was nicht ohne Amüsemanz ist -, aber es gibt Autor*innen, deren Ton mich nicht loslässt. Die mich mit diesem Ton in jede Geschichte mitnehmen können, allein schon, weil ich ihre Wörter und Sätze liebe.

Was sich nicht bewährt hat: Mir richtig was vorzunehmen. Also Bücher mitzuschleppen, bei deren Anblick mir schon ein tiefer Seufzer entfleucht. Das Wort Ferien beginnt nur zufällig mit demselben Buchstaben wie Fortbildung.

Es kommen also Bücher mit, die in gewisser Weise sowohl entspannen als auch innerlich elastisch machen.

Vorratshaltung: Wieviel darf, wieviel muss mit?

Ferien, das geht hier so: Zelt und Wanderschuhe ins Auto, Rennräder obendrauf, wir fahren los mit einem ungefähren Ziel, irgendwas mit Frankreich - und dann mal sehen.

Ein großer Vorteil ist, dass Bücher noch in die letzte Ritze passen und es somit kein Problem mit Platz oder Gewicht gibt. Nun aber die halbe Bibliothek mitzuschleppen, wäre Quatsch. Immerhin braucht man auf der Rückfahrt noch Platz für Wein und dergleichen.

Ich habe den Eindruck, dass es sich bewährt hat, ungefährt die doppelte Menge an Büchern mitzunehmen, die man im besten Falle zu lesen schafft. Falls mal eins darunter ist, dass gerade oder generell nicht passt.

Reiseführer? Ehrlich?

Ja. Und auch noch Straßenkarten in unterschiedlichen Maßstäben. Ich habe in den letzten Jahren viele digitalen Reiseführer und -apps ausprobiert. Zumindest die deutschsprachigen sind, mit Verlaub, Mist. In Kombination mit Google Maps, komoot und der App vom französischen Wetterdienst funktionieren Reiseführer und Straßenkarten für mich immer noch am besten.

Außerdem verschaffe ich mir vorm Verreisen gern einen Überblick und lese mich ein. Irgendwohin will die Vorfreude. Dort findet sie Nahrung. Manches goggele ich dann und hinterlege die Orte in eigenen Listen bei Google Maps. Wo ich auch im Vorfeld eine Liste mit möglicherweise passenden Campingplätzen anlege.

Digitale Notbilbiothek

Oh Mann, es klingt so altmodisch. Aber ich lese einfach immer noch lieber in gedruckten Büchern. Gerade im Zelt, wo Strom Mangelware ist und Geräte inmitten von Sand, Ameisen und regennasser Wiese leiden. Nebenbei entspannt es aber durchaus, auf dem Mobilgerät jederzeit Zugriff auf digitale Bücher zu haben. Falls die Ferienlektüre unzureichend war, ob in Menge oder Güte. Außerdem gibt es einige Notbücher auf dem Mobilgerät. Darauf lässt sich dann für Nebenliegende nachts weniger störanfällig lesen.

Nachlese

Im letzten Jahr tat ich es zum ersten Mal: Ich äußerte mich öffentlich zu den Büchern, die ich im Urlaub gelesen habe. Im Buchladenblog, dass noch seiner Responsivität harrt und daher augenblicklich ruht. Doch ich stellte fest, dass es ging, dieses Schreiben übers eigene Lesen. Eine Nachlese wird es also geben. Auch hier.

Urlaub oder Ferien?

Ich mag den Begriff Ferien viel lieber. Ferien, das klingt nach wochenlangem Freiraum, in den Tag leben, nach Selbstbestimmtheit und in der Ferne mäht der Bauer ein sonnig duftendes Weizenfeld. Urlaub klingt nach etwas, das man zu absolvieren hat, organisiert, gebucht mit der Maßgabe, sich zu erholen und wieder frisch an die Arbeit zu gehen. Happy cliché!

Egal, ob Ferien oder Urlaub: Es wird gelesen werden.

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Volker Oppmann
Jul 12, 7:26 AM
Ganz großartig übrigens die Formulierung »Bücher, die in gewisser Weise sowohl entspannen als auch innerlich elastisch machen« ♥️