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Anne-Marit Strandborg

Das leise Verschwinden der DDR-Bücher

Ich komme gebürtig aus Rostock und bin Jahrgang 1964 - quasi ein sozialisiertes DDR-Kind. Meiner Erinnerung nach bin ich mit einem Buch zur Welt gekommen :-) Na ja, ich liebe Bücher, so weit ich zurückdenken kann. In der Kindergrippe haben es mir diese dicken Gummibücher angetan. Im Kindergarten brauchte man nur in der Bücherecke nach mir suchen, mit dem Tag der Einschulung musste meine Mutter mit mir in die Bibliothek gehen, damit ich meinen Ausweis bekam. So nahm also mein Leben als Leserin seinen Weg. Bis heute und wahrscheinlich in alle Ewigkeit, da Lesen für mich wie Atmen ist. Ohne Bücher und das Lesen kann ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen.

Roman-Zeitung


Um so trauriger bin ich, dass das Interesse darüber, was wir in der DDR gelesen haben, so gering ist. Und entsetzt war ich darüber, dass Anfang der 90er Jahre Millionen Bücher entsorgt, ja gar verbrannt wurden. So wie ich in meiner Kaufhalle am Abend noch meine bekannten Produkte gekauft habe, war am kommenden Tag alles verschwunden und durch Westprodukte ersetzt. Genau dasselbe in meiner Buchhandlung.

Natürlich habe ich damals gekauft wie verrückt. Man war wirklich neugierig. Doch je mehr ich las, desto mehr merkte ich auch, was für 08-15-Zeugs dadrunter war. Mir fehlten meine schönen in Leinen gebundenen und illustrierten Romane.

Kompass


Bei Facebook habe ich vor einiger Zeit die Gruppe einer Antiquariatsbuchhändlerin gefunden, in der sich Freunde der DDR-Bücher tummeln. Und mittlerweile habe ich paketweise Bücher bei ihr gekauft. Ich habe so viel gekauft, dass ich jetzt wirklich die Reißleine ziehen muss, weil ich nicht mehr weiß, wohin damit. Fast jedes Zimmer unseres Hauses ist mit Büchern ausgestattet.

Einige dieser Gruppe und ich haben den leisen Versuch unternommen, die Bücher nicht ganz in der Versenkung verschwinden zu lassen. Ich habe eine weitere Gruppe aufgemacht, in der mir nun regelmäßig Buchcover und Inhaltsangaben gepostet werden, die ich dann in einem Blog veröffentliche.

richtige-reihenfolge


Es kommt uns nicht darauf an, diese Bücher zu rezensieren, wir wollen sie sichtbar machen. Deshalb stellen wir sie nur per Inhaltsangabe vor. Das macht viel Arbeit, muss ich die ja immer abtippen. Aber es macht auch Spaß.

Was mich traurig macht, ist, dass ich merke, dass außerhalb der DDR-Leute kaum Interesse besteht. Und noch viel trauriger macht mich, dass ich, wenn ich nur Bücher lesen würde, die in der DDR erschienen sind (und das waren ja bei Weitem nicht nur DDR-Autoren), in der Bücher-Netz-Gemeinde gar keine Gesprächspartner finden würde.

In aller Stille abgewickelt

Schlimmes Ende

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Volker Oppmann
Jul 30, 1:54 PM
Das ist in der Tat schade, was da alles verloren gegangen ist ... Ich selbst bin zwar gebürtiger Wessi, aber der Opa eines meiner besten Freunde war D...
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Anne-Marit Strandborg
Jul 30, 2:14 PM
Die Familie meiner Mutter lebte im Westen und ich kann mich erinnern, wie die massenweise bei uns Kinderbücher gekauft haben. Waren ja schön billig un...
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Volker Oppmann
Jul 30, 2:53 PM
😢