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Anne-Marit Strandborg

Der Rhythmus des Schreibens und der Verlust der Sprache

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Andreas Eschbach hat keine tägliche Routine. Manchmal schreibt er gar nichts am Tag, dann hat er Tage, da schreibt er zwölf bis vierzehn Stunden. Andere schreiben früh morgens, bevor der Tag so richtig losgeht oder die ganze Nacht durch.

Habt ihr einen Rhythmus oder einen Stundenplan, wie und wann ihr schreibt? Sei es eure Blogbeiträge, Artikel, die ihr verkaufen könnt oder speziell Artikel für mojoreads.

Meinen Rhythmus habe ich noch nicht gefunden. Dabei würde ich so gerne ernsthaft damit beginnen. Das betrifft die Kurzbiografien, aber auch noch ein anderes Thema. Und zwar mein Leben in der DDR.

Im Netz habe ich an diversen Stellen auf Nachfrage versucht, darüber zu berichten. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass die Leute nicht mein ganz normales Leben interessierte - sie wollten eher Horrorgeschichten über Fluchtversuch und Stasi lesen.

Nun könnte ich ja sagen: Okay, Anne, schreibst Du halt für Dich im stillen Kämmerlein. Aber für mich brauche ich das nicht. Ich wünsche mir schon auch einen Austausch dabei. Dass nachgefragt wird.

Vor allem möchte ich es öffentlich machen, weil ich schon Sätze wie: "Ich würde nie im Osten leben wollen, da haben sie sich alle gegenseitig verraten" gelesen habe. Viele Menschen in den alten Bundesländern haben absolut keine Ahnung, wie wir dort gelebt haben. Und vor allem: was wir nach der Wende verloren haben. Sie zeigen mit dem Finger in den Osten und rümpfen die Nase über die Entwicklung, die dort stattfindet. Und am meisten erbost hat mich auf Facebook kürzlich ein Foto von Kai Diekmann, mit dem er sich bei Helmut Kohl für die Einheit bedankte.

Was ich noch an mir merke: Ich verliere langsam die Fähigkeit, vernünftig zu kommunizieren. In meinem früheren Job war ich Teamassistentin - hatte mit Mitarbeitern, Chefs, Besuchern und Kunden zu tun. Musste Kunden am Telefon beschwichtigen, die sich beschweren wollten, weil ihr Material nicht pünktlich auf der Baustelle war. Habe Kundenveranstaltungen organisiert. Nun arbeite ich hier in Ostfriesland seit mehr als sechzehn Jahren alleine in einem Büro und habe nur Texte zu lesen und merke, wie ich immer öfter Wortfindungsschwierigkeiten habe. Ich versuche, dem mit dem Schreiben von kleinen Biografien entgegenzuwirken. Mal schaun, ob es Früchte trägt.

Sodele, das ist mein erster Beitrag auf Mojoreads, der nicht unbedingt was mit Büchern zu tun hat. Ich hoffe, er findet trotzdem ein paar Leser.

Habt noch ein schönes Wochenende.

Edit: Eine Gruppe DDR habe ich aufgemacht. Sie ist privat - aber ihr seid herzlich eingeladen. Gebt einfach Bescheid, wenn ihr mitlesen möchtet.

  • Schreiben
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Volker Oppmann
Oct 19, 8:51 PM
In diesem Fall dann vielleicht doch eher eine private Gruppe?
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Anne-Marit Strandborg
Oct 19, 8:57 PM
Wäre mir erst mal lieber. Bin ja mit dem Klarnamen hier. Wer Interesse hat, kann sich gerne melden.
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Volker Oppmann
Oct 19, 9:50 PM
Also ich würde mich sehr freuen :)
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Anne-Marit Strandborg
Oct 19, 9:58 PM
Oki doki. Ich habe jetzt Urlaub, da werde ich das Projekt mal starten.
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tigerinflow
Oct 21, 12:24 PM
Kommt mir bekannt vor und es wundert mich selbst, weshalb die Menschen so Emotional werden dabei. Schließlich kann sich niemand aussuchen, wo er gebor...