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Mike Gorden

Mein Blog vom 26.09.2019 - Urlaub in Frankreich

2014[1]
Meine Schreibstube im Turm der alten Mühle

Es gibt so viele hübsche Orte auf unserem Kontinent. Willst Du sie besuchen, mußt Du aber zunächst dorthin kommen. Wenn der Ort etwas abgelegener ist - beispielsweise eine kleine Insel im Ärmelkanal vor der französischen Küste fernab von jedem Flughafen - empfiehlt sich das Auto. Bist Du dann unterwegs zu Deinem Urlaubsziel, erwarten Dich gar viele wunderliche Dinge am Wegesrand.

Beispielsweise Belgien. In Flandern sind die Autobahnen gut ausgebaut; in der Wallonie weniger. Gemeinsam ist ihnen, daß der Standstreifen alle paar Kilometer gesäumt ist von geplatzten LKW-Reifen. Entweder kommen dort unglaublich viele Lkws binnen kürzester Zeit zu Schaden (was ich mir beim Straßenzustand in der Wallonie durchaus vorstellen könnte, das aber nicht für Flandern zutrifft), oder es gibt niemanden, der all die Gummiskelette wegräumt. Beides halte ich für bedenklich.

In der Wallonie habe ich im übrigen zum ersten Mal in meinem Autofahrerleben einen Wagen mit Achsbruch am Rand der Autobahn gesehen. Einige Autobahnabschnitte sind zwar mittlerweile instand gesetzt. Andere erinnern aber eher an einen Feldweg und wir waren sehr froh, mit einem Geländewagen unterwegs zu sein.

In Deutschland wundere ich mich lediglich, wenn wieder einmal ein »Spanngurt« oder ein »Kantholz« auf der Autobahn verloren wird. Anscheinend führt jeder deutsche Autofahrer außer mir einen ganzen Kofferraum voller Spanngurte und Kanthölzer spazieren. Ich jedenfalls habe das in der Fahrschule nicht gelernt, wie man fachmännisch einen Spanngurt verliert. Außerdem habe ich keine Ahnung, was ein Kantholz ist. Alle anderen außer mir müssen das wissen, denn ich habe noch niemals sich jemanden über ein Kantholz wundern sehen.

Französische Autobahnen sind auch hübsch. Neben einem unglaublich komplizierten Mautsystem, das aus einer Vielzahl von Autobahnbetreibergesellschaften resultiert, die alle etwas vom großen Kuchen abhaben wollen, fasziniert mich dort das Hütchenspiel besonders.

Franzosen haben auf den Autobahnen alle paar Kilometer Deponien an Verkehrshütchen von ansprechender Form und Farbe auf den Mittelstreifen gelagert. Wenn sie nun Langeweile haben - was im Sommer häufiger vorzukommen scheint - dann spielen sie damit. Sie sperren damit Kilometer weit Spuren auf Autobahnen, was den Verkehr zum Erliegen bringt und lange Staus verursacht. Ist man dann nach endlos erscheinender Stauzeit am Ende der Hütchenstrecke angelangt, so liegen dort einige Steine herum. Selten steht auch eine kleine Baumaschine dort, oder ein Farbeimer, um die auf einigen Metern fehlende Straßenmarkierung neu zu malen. Vielleicht sollen das auch die Leute tun, die nebenan im Stau stehen, sozusagen als Zeitvertreib, bis es weitergeht. Manchmal hört die Hütchenstrecke auch ganz unvermittelt auf…

Wie gesagt: sie sind schön anzusehen. Hier in Deutschland macht man sich aber wenigstens die Mühe, die Baustelle mit Massen an Baumaterial und einer Reihe Baumaschinen zu dekorieren, wenn man schon keine Menschen erübrigen kann, die dort arbeiten.

Gelegentlich sperrt man in Frankreich mit den Hütchen auch Ausfahrten. Selbstverständlich, ohne das vorher zu kommunizieren. So bringt man Würze ins Hütchenspiel und wir stehen dann an einem Autobahndreieck und der endlos scheinende Stau windet sich in aller Seelenruhe auf die andere Autobahn, aber in die falsche Richtung. Es hätte vor der Baustelle eine Abfahrt gegeben, die einen prima Bypass abgegeben hätte. Dort stand aber kein Wort von einer Sperrung.

Offensichtlich bringt das nicht nur Touristen, sondern auch Franzosen zur Weißglut und im Finden pragmatischer Lösungen sind die Franzosen Meister. Plötzlich begannen vor mir die Fahrzeuge zu wenden (auf einer befahrenen Autobahn wohlgemerkt) um die auf der Gegenseite befindliche und nicht gesperrte Ausfahrt in die richtige Richtung zu erreichen. Dies gelang relativ problemlos, da auf der Gegenfahrbahn nur wenig Verkehr war. Ich bat meinen Mann, kurz die Augen zu schließen und folgte der Masse - gewiß, mir mindestens eine halbe Stunde Umweg erspart zu haben.

Wenden auf der Autobahn. In Deutschland brächte mir so etwas ein Fahrverbot ein. In Frankreich ist es gelebte Praxis.

Die Franzosen, die Meister der kultivierten Lebensart offenbaren gelegentlich unerwartete Schwächen in eben derselben. Über französische Toiletten brauche ich mich an dieser Stelle nicht zu entleeren. Das hatten andere vor mir auf dem Autobahnparkplatz zur Genüge getan. Erschreckend finde ich aber die Qualität des Toilettenpapiers. Nichtmal in einem »Hyper U«, dem größten Supermarkt des Landes, bekommt man etwas, das unserem einfachsten Dreilagigen auch nur nahe kommt. Vielleicht bedingt das eine ja das andere?

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