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Schrödingers Buchladen

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Das Wort »Buchladen« dürfte bei den meisten Leser*innen positive Assoziationen wecken – dieses Gefühl, einmal in aller Ruhe quer durch die Auslagen und Regale zu stöbern, das Auge von Cover zu Cover wandern zu lassen, vom Geruch frisch bedruckten Papiers und der Haptik bibliophiler Ausgaben ganz zu schweigen.

Vor allem aber können wir jedes beliebige Buch einfach so aus dem Regal nehmen, aufschlagen und direkt loslesen. Die meisten Buchhandlungen bieten dazu sogar eigens eingerichtete Leseecken mit gemütlichen Sofas oder Sesseln, hier und da auch ein in den Laden integriertes Café.

Online sieht die Welt schon ganz anders aus. Ein Online-Shop ist in der Regel kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Das Stöbern findet außerhalb statt – in sozialen Netzwerken bzw. dezidierten Buch-Communities wie Goodreads oder Lovelybooks.

Der Nachteil: Das, worüber dort gesprochen wird – die Bücher – ist dort leider nicht erhältlich, noch nicht einmal als Leseprobe. Also werden wir per (Affiliate-) Link in den nächsten Shop geschickt. Dort gibt es dann auch Leseproben, allerdings nur in Gestalt gekürzter PDF-Dateien.

Das ist in etwa so, als würde man einmal quer durch die Stadt fahren, um dann an Stelle der Bücher nur ein paar lieblos herausgerissene Seiten in den Regalen der Buchhandlung zu finden.

Da gibt es keine Bücher, die man erst einmal in die Hand nehmen und an einer beliebigen Stelle aufschlagen kann, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Man muss die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen. Bis dahin ist es Schrödingers Buch. Kann gut sein oder auch nicht. Wir wissen es erst, wenn wir es lesen. Doch dazu müssen wir es erst einmal kaufen.

Die Relevanz digitaler Ausgaben

Wenn in der Branche von digitalen Ausgaben die Rede ist, landet man schnell bei Konkurrenz-Diskussionen: E-Book versus Print – welches Format gewinnt? Und muss man E-Books bei einem derart geringen Marktanteil überhaupt ernst nehmen?

Dabei wird die eigentliche Relevanz digitaler Ausgaben völlig verkannt. Denn ganz egal, wie das Verhältnis von digitalen Inhalten (E-Books) und Print in Zukunft auch aussehen wird – unsere Leser*innen bewegen sich im Netz!

Das bedeutet ganz zwangsläufig, dass auch der Erstkontakt mit Buch-Inhalten ein digitaler sein wird, selbst wenn am berühmten Ende des Tages dann doch die Print-Ausgabe auf dem Nachttisch liegt.

Ohne digitale Texte wird es zunehmend schwerer bis unmöglich, Inhalten im Netz Sichtbarkeit zu verschaffen. Wir brauchen digitale Texte, um Literatur auch in der digitalen Welt erfolgreich inszenieren und vermarkten zu können.

Denn das ist die eigentliche Relevanz digitaler Ausgaben: Nicht als Ersatz für das Print-Produkt, sondern als dessen unabdingbare Voraussetzung!

Und nein, PDFs sind keine E-Books. PDFs werden als Vorstufe für Print produziert, um auf allen Gerätetypen ein verbindliches Layout gewährleisten zu können und damit eine perfekte (Aus-) Druckvorlage zu haben. Zum Lesen am Bildschirm taugen sie nur bedingt (wenn überhaupt).

Digitale Ausgaben als Leseproben

Bei mojoreads haben wir dehalb beschlossen, gar nicht erst mit separaten Leseproben-PDFs anzufangen, sondern – sofern verfügbar – direkt auf die Vollversion in Form der E-Book-Ausgaben im ePub-Format zu setzen.

Im Klartext bedeutet das, dass die E-Book-Ausgaben nicht nur Leseproben ihrer selbst sind, sondern zudem auch Leseprobe für ihre Print-Geschwisterchen spielen.

Um das möglich machen zu können, mussten wir zunächst Verträge mit den Verlagen schließen, die uns und unseren Leser*innen genau das erlauben: individuelle Leseproben, um sich zu 10% vom Gesamtinhalt völlig frei (!) im Buch bewegen zu dürfen.

Mal kurz vorne reinblättern? Oder doch lieber das Ende lesen? Vielleicht ein paar Stellen mittendrin checken? Alles möglich. Ganz wie im echten Buchladen.

Man kann über die »Search inside«-Funktion sogar nach bestimmten Passagen im Text suchen oder über den Kommentar einer anderen Leserin (entdeckt auf der eigenen Timeline) mit einem Klick direkt ins Buch springen – und zwar genau an die Stelle, um die es gerade geht (Kontext will schließlich auch mal King sein).

Wir machen Bücher damit direkt im Netz zugänglich ohne die Lizenzbestimmungen bzw. die Urheberrechte der jeweiigen Autor*innen und Verlage zu verletzen.

Im Gegenteil: Wir versetzen Autor*innen und Verlage in die Lage, ihre Inhalte im Netz bestmöglich zu vermarkten, da wir alle, die wir in der Buchbranche arbeiten, nur dann etwas verdienen, wenn auch tatsächlich jemand unsere Bücher kauft – im Gegensatz zu den Internetgiganten der GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon), die Bücher gerne als so genannte »loss leader« bzw. Lockangebote einsetzen, um ihr Geld dann mit etwas ganz anderem zu verdienen.

Stöbern wie im echten Buchladen

Auf mojoreads gibt es keine Werbung, keine Kühlschränke und keine Black Fridays. Wir verkaufen keine Aufmerksamkeit, keine Daten und euch schon gar nicht. Alles, worum es auf mojoreads geht, ist Lesen. Wir wollen, dass ihr euch hier wohl fühlt, neue Bücher entdeckt und vor allem direkt in jedes Buch reinlesen könnt, das euch interessiert.

Ob ihr euch dann die E-Book- oder die Printausgabe kauft, ist uns ziemlich wumpe. Hauptsache, ihr habt Freude am Lesen und haltet durch eure Buchkäufe (ob bei uns oder der kleinen, inhaber*innengeführten Buchhandlung um die Ecke) die Branche und ihre Autor*innen am Leben.

Und die Katzen natürlich auch, denn die haben weder in Säcken noch in Kisten etwas zu suchen (auch wenn sie sich da gerne reinsetzen).

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Sabrina K
Aug 9, 11:11 PM
Lasst die Katze aus dem Sack