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Die zweite BegegnungDie zweite Begegnung
Erik Neutsch

Die zweite Begegnung

Historische Romane
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SUMMARY
Der Bauer Jakob Haselmann kettet die Hunde los, zwei kräftige, hochbeinige Doggen. Nun braucht er die Werber nicht zu fürchten, die aus der Stadt gekommen sind, um ihn in die LPG zu locken. Schließlich lässt er Kalle Kulka aus dem Chlorbetrieb des Kombinates doch in sein Haus. In der ersten Begegnung hat er den Menschen des Dorfes die Verordnung über die Bodenreform erläutert und dass auch der Grundbesitz des Freiherren Wenzel und des ehemaligen Ortsbauernführers Kluge enteignet und aufgeteilt würde. Und nun sollen sie das Land wieder zusammentun und gemeinsam in der LPG bewirtschaften? LESEPROBE: Vorsichtig schnitt er mit seinem Taschenmesser die Halme der Pflanzen ab. Dann untersuchte er die platten, kreisrunden Sprengkörper. Er kannte das Fabrikat, im Strafbataillon war er an ihm ausgebildet worden. Er schraubte die Kapseln ab und barg die Zündsätze. Seine Finger durften nicht zittern, nicht einen Augenblick. Haselmann und die Bauern waren wieder zurückgekehrt. Sie standen am Feldweg und bangten um den Arbeiter. Sie konnten aus der Entfernung nur ahnen, was er tat. Sie verfolgten mit ihren Blicken jede seiner Bewegungen und schwiegen. Hin und wieder traf sie das Blinken der Klinge. Jedesmal, wenn Kulka sich aufrichtete, atmeten sie erleichtert auf. Einmal kam der Arbeiter zu ihnen und bat um etwas Kaffee. In den Falten auf seinem Gesicht glitzerte der Schweiß. Sie wagten nicht, ihn nach seiner Arbeit zu fragen. Sie reichten ihm das Getränk und haschten nach seinen Augen. Sie hofften, aus ihnen irgendein Zeichen zu entnehmen, das sie klüger machte. Kulka schlürfte den heißen Kaffee in kleinen Schlucken. Er brannte sich eine Zigarette an, zertrat sie aber halbgeraucht im Gras. Dann drehte er sich wortlos um und humpelte wieder auf die ungepflügte Fläche. Meter um Meter tastete er sich den dunklen, drohenden Fichten entgegen. Die Bauern wichen nicht von der Stelle. Wenn sie sich etwas zu sagen hatten, flüsterten sie nur. Endlich gewahrten sie, daß sich Kulka immer seltener bückte. Schließlich, als er den letzten Zipfel des Hanges durchstreift hatte, wankte er vom Feld. Über ein Dutzend Minen hatte er bis zum Nachmittag entschärft. Auf seinen verschwitzten Armen klebten die trockenen Spelzen vom Flughafer. In den Stoff seines Anzugs hatten sich Kletten gehakt. Erschöpft ließ er sich auf den Rasen am Wegrand sinken. Das eine Hosenbein rutschte Kulka fast bis zum Knie hinauf. Es entblößte eine geschiente hölzerne Prothese.
AUTHOR BIO
Geboren 21. Juni 1931 in Schönebeck/Elbe, Studium der Philosophie und Publizistik an der Universität Leipzig, Diplom 1953, bis 1960 Kultur- und Wirtschaftsredakteur in Halle, Reporter. Seit 1962 freischaffender Schriftsteller, Mitglied der Akademie der Künste der DDR 1974-1991, Mitglied des Schriftsteller-Verbandes Deutschlands. Erik Neutsch ist am 20. August 2013 in Halle verstorben. Veröffentlichungen Romane: Spur der Steine, Halle 1964, Bergisch-Gladbach 1991, München 1994, Leipzig 1996 (35 Aufl.) Auf der Suche nach Gatt, Halle 1973, Benshausen 2009 (15 Aufl.) Der Friede im Osten, bisher 4 Bände, Halle 1974-1987 (29 Aufl.) Totschlag, Querfurt 1994 (2 Aufl.) Nach dem großen Aufstand - Ein Grünewald-Roman, Leipzig 2003, Dößel 2010 (2 Aufl.) Erzählungen: Die Regengeschichte, Halle 1960 (3 Aufl.) Die zweite Begegnung, Halle 1961 Bitterfelder Geschichten, Sammelband, Halle 1961 (3 Aufl.) Die anderen und ich, Sammelband, Halle 1970 (5 Aufl.) Tage unseres Lebens, Leipzig 1973 Heldenberichte, Sammelband, Berlin 1976 Akte Nora S., Berlin 1976 Der Hirt, Halle 1978, Berlin 1998 Zwei leere Stühle, Halle 1979 (10 Aufl.) Forster in Paris, Halle 1981, Querfurt 1994 (3 Aufl.) Claus und Claudia, Halle 1989 (3 Aufl.) Stockheim kommt, Berlin 1998 Verdämmerung, Kückenshagen März 2003 (2 Auflagen) Kinderbücher: Olaf und der gelbe Vogel, Berlin 1972 (5 Aufl.) Vom Gänslein, das nicht fliegen lernen wollte, Leipzig 1995. Bühnenwerke: Haut oder Hemd, Schauspiel, Urauff. Halle 1971 Karin Lenz, Opernlibretto zur Musik von Günter Kochan, Urauff. Deutsche Staatsoper Berlin 1971 Haut oder Hemd, Text und Dokumentation, Halle 1972 Da sah ich den Menschen, Dramatik und Gedichte, Berlin 1983 Lyrik: Die Liebe und der Tod, Gedichtband, Halle 1999 Essays: Fast die Wahrheit, Sammelband, Berlin 1979 Forster in Halle oder Wie fern sind sich im Geiste die Deutschen?, Halle 1994 Gothardt-Nithardt, ein Maler (über Matthias Grünewald), Halle 1996 Wo es keine leeren Flächen gibt (Rundfunkporträt über den Maler Willi Sitte),Berlin 1972. Mitautor in ca. 70 Anthologien und Sammelbänden. Mitherausgeber: Vietnam in dieser Stunde, Halle 1968 Chile - Gesang und Bericht, Halle 1975 Filme (nach seinen Texten): Spur der Steine, DEFA 1966 Die Prüfung, DEFA 1967 Akte Nora S., Deutscher Fernsehfunk 1975 Auf der Suche nach Gatt, DFF 1976 Zwei leere Stühle, DFF 1982 Hörspiele (nach seinen Texten): Der Neue, 1965 Haut oder Hemd, 1971 Übersetzungen seiner Texte in über 20 Sprachen. Verkaufte Bücher (ohne Anthologi

BOOK DETAILS

EDITION
05 Aug 2014
TYPE
eBook
ISBN
9783956550034
LANGUAGE
German
PAGES
90
KEYWORDS
Arbeiter, Bodenreform, DDR, Enteignung, Mine, Kollektivierung, Neubauern
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