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Im Grunde gut
Rutger Bregman

Im Grunde gut

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SUMMARY
Der Historiker und Journalist Rutger Bregman setzt sich in seinem neuen Buch mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen ist der Mensch seinen Thesen nach nicht böse, sondern im Gegenteil: von Grund auf gut. Und geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt und den Menschen in ihr komplett neu und grundoptimistisch zu denken. In seinem mitreißend geschriebenen, überzeugenden Buch präsentiert Bregman Ideen für die Verbesserung der Welt. Sie sind innovativ und mutig und stimmen vor allem hoffnungsfroh.
AUTHOR BIO
Rutger Bregman, geboren 1988 in den Niederlanden, ist Historiker und Journalist und einer der prominentesten jungen Denker Europas. Bregman wurde bereits zweimal für den renommierten European Press Prize nominiert. Er schreibt für die «Washington Post» und die «BBC» sowie für niederländische Medien. 2017 erschien sein Bestseller «Utopien für Realisten».

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REVIEWS
Reviewed by gabyf and seeker7
gabyf
seeker7
Im Grunde unverzichtbar Noch nie hat mich ein Sachbuch so gefesselt, wie „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen und war in kürzester Zeit fertig. Das fühlte sich ein bisschen wehmütig an und so, als ob ich eine Tafel Schokolade zu schnell gegessen hätte. Schicht für Schicht Bregmann sagt, was Sache ist. Auch wenn das viele nicht hören wollen und er in Deutschland nur schwer einen Verlag fand für sein Buch. Die Deutschen würden nicht an das Gute im Menschen glauben, so ein Verlag, der ablehnte. Doch auch in USA und in Frankreich war man nicht wirklich offen für sein Thema. Und das bestätigt genau das, was Bregman Schicht für Schicht aufdeckt: das Bild von (anderen) Menschen ist bei vielen von uns sehr festgefahren. Während wir selbst uns natürlich für gut halten, glauben wir das von Nachbarn, Kollegen oder Mitbürgern nicht. Sie trennen den Müll nicht, sie sind faul und sie sind egoistisch. Und die Fremden erst! Die Droge Nachrichten Bregman interessiert, genau wie mich, das Warum hinter der eingefahrenen negativen Meinung. Die größte Abhängigkeit unserer Zeiten, da ist Bregman sicher, sind die Nachrichten. Wir konsumieren sie jeden Tag, sie werden subventioniert und auch unseren Kindern verabreicht. Dabei bestätigen zahlreiche Studien mittlerweile, dass der Konsum von Nachrichten der geistigen Gesundheit schadet. Das liegt auch daran, dass über gute Nachrichten, obwohl sie täglich mannigfaltig und überall vorkommen, kaum berichtet wird. „Heute ist kein Krieg ausgebrochen“, hat keinen Nachrichtenwert. Fehleinschätzungen und Manipulationen Zahlreiche Experimente und Studien, von denen viele in den 1960er Jahren stattfanden, bewiesen anscheinend, dass Menschen von Natur aus schlecht sind. Bregman tauchte tief ein in die Hintergründe dieser bekannten Experimente (z.B. Stanford-Prison-Experiment oder das Milgram-Experiment, das ist das mit den Stromstößen). Und siehe da: Obwohl sich nach wie vor Psychologen und Soziologen auf diese Experimente beziehen, sind sie recht häufig nicht korrekt. Die Teilnehmer wurden manipuliert, die Ergebnisse geschönt und die Presse tat ihren Teil. Was ich sehr interessant fand ist, dass die Wissenschaftler, die die Experimente durchführten mit ihrem persönlichen Verhalten das bestätigten, was sie durch ihr Experiment beweisen wollten: sie selbst waren von Egoismus und der Sucht nach Aufmerksamkeit getrieben. Ihre Probanden hingegen waren zum Großteil: im Grunde gut. Nur durch die Manipulationen ließen sie sich zu bestimmten Dingen hinreißen. Nocebo Menschen werden so, wie du sie behandelst. Das gilt für kleine Kinder genauso wie für Gefängnisinsassen. Will heißen: wenn wir davon ausgehen, dass jemand negativ reagiert, behandeln wir diese Person schon so und führen damit genau das Verhalten herbei, das wir wollen. Wir fühlen uns dadurch bestätigt. Dass dies auch umgekehrt funktioniert, das vergessen Menschen gerne. Und genau darum geht es. Zehn Regeln Bregman beschließt sein Buch mit zehn Regeln, die er persönlich befolgt, und die er seinen Leser:innen ans Herz legt. Diese Regeln fassen das Buch großartig zusammen und sie beginnen so: Geh im Zweifelsfall vom Guten aus! Mein Fazit Das Buch „Im Grunde gut“ ist ein unverzichtbarer Baustein im Protest gegen eine zunehmend zynisch geprägte Welt. Wir dürfen an das Gute im Menschen glauben, denn das ist das was dominiert. Positive Erlebnisse kommen viel häufiger vor als negative!
1 Wow
Ein durch und durch überraschendes und faszinierendes Buch! Normalerweise fange ich eine Rezension nicht mit meiner Bewertung an. Es fällt mir hier aber schwer, sie zurückzuhalten. Weder möchte ich meinen Drang disziplinieren, dieses Buch vorweg zu loben, noch möchte ich das Risiko eingehen, dass jemand vielleicht vorzeitig das Lesen abbricht und dann die entscheidende Botschaft nicht bekommt. Ich habe wirklich schon eine Menge Sachbücher gelesen - psychologische, philosophische, soziologische, politische, historische, naturwissenschaftliche - aber dieses Buch ist tatsächlich anders als alle anderen. Es ist ein wissenschaftliches und zugleich ein sehr persönliches Buch. Es beinhaltet Themen aus allen genannten Disziplinen und bringt sie in einen ganz besonderen Zusammenhang. Diese Verbindungen, dieser rote Faden, entspringt nicht einer "sachimmanenten" Logik, sondern der subjektiven Motivation des Autors, einem niederländischen Historikers und Journalisten (es handelt sich übrigens um einen relativ jungen Mann - ganz anders als die Hörbuch-Stimme es vermuten lässt). Anders als es der Untertitel des Buches suggeriert, wird hier keineswegs eine zusammenhängende, irgendwie chronologische Geschichtsschreibung der Menschheit geboten. Aber es wird eine andere Geschichte über die Gattung Mensch erzählt! Es ist ein - offensichtlich sehr persönliches - Anliegen des Autors, seine positive Sichtweise der menschlichen Natur einer anderen Erzählung entgegenzustellen; einer negativen Erzählung die - seiner Überzeugung nach - auf zahlreichen Missverständnissen, Verzerrungen, Auslassungen, Fehlinterpretationen und auch eindeutigen Lügen beruht. Nun ist BREGMAN aber kein von einer Mission beseelter naiver Gutmensch, der sein privates Glaubensbekenntnis unter die Leute bringen will. Ganz anders: Der Mann hat Biss! In einer an Hartnäckigkeit, empirischer Gründlichkeit und Aufwand kaum zu übertreffender Art und Weise nimmt er sich eine ganze Reihe von - scheinbar willkürlich - ausgewählten Einzelthemen vor und tut, was er offenbar am liebsten tut und am besten kann: Er zerstört Mythen und vermeintliche Gewissheiten über die so "egoistische und grausame Natur" des Menschen, die nur durch intensivste zivilisatorische Eingriffe halbwegs im Zaum gehalten werden kann. Er schreibt u.a. über: - das (meist sehr vernünftige und solidarische) Verhalten von Menschen in Notsituationen und bei Katastrophen, - die (überraschend ausgeprägte) Neigung von Soldaten, auch mitten im Krieg das Töten zu vermeiden, - die erstaunlichen Erfolge von alternativen Modellen, mit Straftätern und Gefangenen umzugehen. In einige Themen verbeißt sich der Autor förmlich. So stellt er sehr gründlich und anschaulich seine These dar, wie der - durch die Evolution auf "freundlich" getrimmte - Jäger und Sammler durch Sesshaftigkeit, Landnahme und Besitz erst einige unsympathische Charakterzüge entwickelt hat. Auch die Kultur der Osterinseln und deren so schockierendes Ende wird von BREGMAN sehr systematisch aufgerollt und in ein völlig verändertes Licht gestellt. Der (erschreckenden) Botschaft des weltberühmten Romans "Herr der Fliegen" stellt er eine wahre Geschichte entgegen, die so erfreulich anders verlaufen ist. Ein Kapitel über amerikanische Polizeigewalt liest sich wie ein Kommentar zu den gerade aktuellen Ereignisse in den USA (Stand Juni 2020). Stärker als alles andere hat mich aber die (nachvollziehbare) Infragestellung einiger grundlegender experimenteller Befunde aus der Sozialpsychologie berührt und geradezu schockiert. Dabei ging es um nicht weniger als die bekanntesten "Indizien" für die Verführbarkeit und Bösartigkeit des Menschen (z.B. das "Gefängnis-Experiment von Zimbardo oder das Gehormsakeits-Experiment von Milgram). In weiten Teilen geht es bei dieser akribischen Analyse von Daten und Schlussfolgerungen nicht um neue Interpretationen, sondern um die Aufdeckung von Fälschungen und Betrug! Eigentlich kaum zu glauben! Was fängt nun BREGMAN mit all dem an? Er unterfüttert unermüdlich und faktenreich seine Grundthese, dass der Mensch eine Grundanlage zur Kooperation und Empathie in sich trägt. Er ist überzeugt davon, dass es sich auf allen Ebenen lohnt, seinen Mitmenschen erstmal mit Vertrauen zu begegnen, dass es sinnvoll und effektiv ist, auch benachteiligten oder gestrauchelten Menschen würdevoll zu begegnen. Für ihn ist klar belegt, dass das Verhalten der Menschen sehr häufig die Art des erfahrenen Umgangs wiederspiegelt, dass Fehlverhalten oft das Ergebnis von Diskriminierung und negativen Zuschreibungen ist. Der Autor vermittelt und bewertet zwar eine Menge Fakten und Befunde, sein Schreibstil ist aber eindeutig journalistisch. BREGMAN schreibt für den interessierten Laien. Er fängt den Leser dadurch ein, dass er "Geschichten" erzählt - nicht trocken und nüchtern, sondern spannend und lebensnah. So wird Erkenntniszuwachs zum Vergnügen! Selten hat mich ein Buch so überrascht, irritiert und stellenweise schockiert - selbst in Bereichen, in denen ich mich seit einigen Jahrzehnten (durch Studium und Beruf) ganz gut auskennen sollte. Gleichzeitig habe ich ein sehr menschliches, optimistisches und anrührendes Buch genossen, das Mut zur Menschlichkeit macht. Angesichts der faszinierenden Einblicke und Erkenntnisse fallen gelegentliche Längen oder Redundanzen nicht ins Gewicht. Für mich ist es eines der besten Sachbücher, die ich jemals gelesen habe!
5 Wows
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