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Kann man da noch was machen?
Laura Gehlhaar

Kann man da noch was machen?

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SUMMARY
»Ich sehe die Dinge aus einer anderen Perspektive. Und das macht es interessant.« Wer im Rollstuhl sitzt, bekommt manchmal die seltsamsten Dinge zu hören: »Toll, dass du trotzdem rausgehst!«- »Kannst du Sex haben?«»Kann man da noch was machen?« - »Darfst du betrunken Rollstuhl fahren?« - »So hübsch und dann im Rollstuhl!« Frei von Selbstmitleid, mit entwaffnender Selbstironie und ebenso tiefsinnig wie unterhaltsam erzählt Laura Gehlhaar Geschichten aus ihrem Alltag auf vier Rädern - mit allem, was dazugehört.
AUTHOR BIO
No Bio Available

BOOK DETAILS

EDITION
12.09.2016
TYPE
Paperback
ISBN
9783453603677
LANGUAGE
German
PAGES
255
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REVIEWS
Reviewed by Lena, bella5 and other
lenagehrke
bella5
nina
Meine Meinung: Da ich keine Berührungspunkte zu behinderten Menschen habe bzw. auch nicht zu jemandem im Rollstuhl, habe ich gedacht, dass ich mich mit diesem Buch mal ein bisschen in die Welt eines Rollstuhlfahrers hinein begeben möchte. Immerhin kann ich bisher nicht nachvollziehen wie diese manche Situationen bewältigen. Ich habe mir hier erhofft zu erfahren wie deren Alltag aussieht und wie Außenstehende mit Rollstuhlfahrern am besten umgehen sollten. Allerdings lässt mich das Buch etwas zwiegespalten zurück. Zum einen fand ich es großartig wie Laura uns in ihrem Buch ein Einblick in ihr Leben gibt. Wir lesen über schwierige Alltagssituationen, ihr Liebesleben, ihre Familie und Freunde. Sie zeigt, dass auch sie ein ganz normaler Mensch ist, der den Großteil aller Dinge selbstständig erledigen kann. Nur, dass sie dabei eben nicht geht, sondern fährt. Es gab Schilderungen von Situationen in dem Buch, die mich wirklich haben sprachlos werden lassen. Traurig wie viele Menschen mit Behinderten umgehen. Die Autorin weist in dem Buch deutlich daraufhin, dass es politisch gesehen behinderte Menschen einfach schwieriger haben. Zum Beispiel werden viele von ihnen einfach in ein Heim geschickt, bei dem sie tagtäglich den gleichen Ablauf haben und nie genug Geld verdienen würden um sich wenigstens halbwegs ein eigenes selbstständiges Leben aufbauen zu können. Manche Dinge machen hier wirklich sehr nachdenklich. Andererseits muss ich sagen, dass die Autorin mich innerhalb einiger Kapitel allerdings sehr unsicher gemacht hat. Wie soll ich denn nun mit Rollstuhlfahrern in Zukunft umgehen. Sie macht hier viele Vorwürfe, aber zeigt meiner Meinung nach nicht richtig auf wie wir es besser machen können. Sie erzählt welche Sätze sie ständig zu hören bekommt, welche verschiedenen Blicke ihr zugeworfen werden. Und irgendwie findet sie alles nicht in Ordnung. Welche Fragen darf man denn nun stellen? Und wie soll man jemanden im Rollstuhl denn anschauen? Mich hat es teilweise so verunsichert, dass ich nach dem Lesen des Buches gar nicht mehr wirklich weiß wie ich mich verhalten müsste. Ich finde es sehr traurig, dass Laura hier so viel über nicht Rollstuhlfahrer herzieht. Wenn man keine Berührungspunkte hat, wie soll man dann wissen wie man sich verhalten soll? Zum Beispiel sagt sie auch, dass sie keine Lust mehr auf Fragen von ‚nervigen‘ Kindern hat. Aber ja, auch ich würde meinen Kindern sagen, dass sie den Rollstuhlfahrer bitte selbstständig fragen sollen. Ich kann diese doch nicht richtig beantworten. Also wie gesagt, mich lässt das Buch irgendwie ein bisschen unzufrieden zurück. Fazit: Zum einen wirklich lehrreich, zum anderen bleibt für mich allerdings die Frage offen: „Wie verhalte ich mich denn nun in Zukunft in Gegenwart eines Rollstuhlfahrers?“
Wow
Auf Laura bin durch Twitter aufmerksam geworden. Als ich dann das Buch in der Buchhandlung erblickte, musste ich es unbedingt haben, denn der Buchtitel ist einfach catchy und klasse: „Kann man da noch was machen“? Lauras Leben ist eigentlich ganz normal – sie trifft sich gern mit Freunden, arbeitet als Werbetexterin in Berlin, sammelt und liebt Sneaker. Die Tatsache, dass sie im Rollstuhl sitzt, empfindet sie eher als Erleichterung denn als Einschränkung, denn: Behindert ist man nicht, behindert wird man – von der Gesellschaft. Laura erzählt von der alltäglichen Diskriminierung. Strukturell, gesellschaftlich. Ist Inklusion nur ein Lippenbekenntnis in Deutschland? Oft scheitert die gesellschaftliche Teilhabe von Behinderten schon an der Infrastruktur, an einer Rampe, an einer Dolmetscherin für Gehörlose. Soll der gesunden Mehrheitsgesellschaft nicht zu viel zugemutet werden? Lauras Buch liest sich klasse, der Ton ist modern und authentisch. Sie berichtet von eigenen Stärken und Schwächen. Sehr berührt war ich, als sie von Ängsten und Gewaltandrohung berichtete. Die Angst, das eigene Potential nie ganz ausschöpfen zu können. Schreibblockaden, die Angst vor dem leeren Blatt. Die Hänseleien in der Schule, die Lehrerin, die besonders fies war, um Laura „abzuhärten für das Leben“. Was für eine Anmaßung! Im Studium dann missgünstige Kommilitonen, die Laura Maßnahmen zur Herstellung der Chancengleichheit (!) neideten, etwa einen Zeitbonus, der motorische Einschränkungen bei Klausuren ausgleichen sollte. Aber auch Leute, die Laura ganz normal behandelten, wie etwa ihre Mitbewohnerin in den Niederlanden finden Erwähnung. Laura jammert nicht. Laura redet Tacheles. Spricht Dinge aus, die einfach auch einmal gesagt gehören. Wenn Leute sie fragen, ob ihr „Freund auch behindert“ sei, ist dies unverschämt. Wenn Leute ihr zu zischen, dass „Jemand wie sie unter Hitler noch vergast wurde“, ist das grausam. Laura muss täglich zusätzliche Kraft für Dinge aufwenden, die nicht nötig wäre, wenn die gesellschaftlichen Strukturen anders wären. Aber schließlich lebt laut Laura auch eine ganze Industrie von Behinderten…  Schon seltsam, dass in einer Industrienation wie Deutschland noch soviel Handlungsbedarf besteht. Finde ich. Eigentlich ein Armutszeugnis, viele Dinge scheinen mir etwa in Großbritannien besser organisiert zu sein. Es gibt in Gehlhaars Buch aber auch Aussparungen, Dinge, über die ich gerne mehr erfahren hätte, die die Autorin aber wohl privat halten will: Welche Krankheit hat Laura genau? Wie gestaltete sich ihr Studium, denn es wird kurz abgehandelt? Wieso arbeitet sie nicht als Sozialpädagogin, denn darin hat sie ihren Abschluss gemacht, sondern als Texterin? Man erfährt aber, dass sich Laura bei den „Sozialhelden“ engagiert. Trotz meiner Kritikpunkte ist „Kann man da noch was machen“? ein lesenswertes Sachbuch!
3 Wows
NiNa (Nina Jaros)
Laura Gehlhaar ist eine beeindruckende Frau. Sie beschreibt mit viel Humor ihr Leben mit Behinderung und den Menschen, die damit konfrontiert werden. Menschen, die viel zu oft nicht wissen, wie sie mit Laura umgehen sollen. Ihr Rollstuhl ist ein Hilfsmittel und sie macht deutlich, welche Barrieren ihr im Alltag begegnen. Barrieren, die oftmals nicht aus Stufen und Treppen bestehen, sondern aus dem, wie Menschen auf Behinderung reagieren. In diesem Buch findet man die Geschichte einer Frau, die nicht auf die Tränendrüse drückt. Einige der geschilderten Erlebnisse bedrücken. Dennoch gelinge es ihr, nicht ins sentimental-weinerliche abzurutschen. Laura beschreibt Situationen aus dem Alltag, aus allen Lebensbereichen. Beschreibt, wie Fremde, Freunde und Familie mit ihr umgehen und zeichnet damit das Bild einer starken Frau. Laura Gehlhaar schreibt offen und mit einer lebendigen Sprache über Themen, die viel zu selten angesprochen werden. Ihr Buch berührte mich und hat mich zum Nachdenken gebracht.
7 Wows
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