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Ich spüre Erleichterung. Zufriedenheit wär natürlich besser gewesen, geht aber nicht. Und weshalb nicht? Weil ich unter Aufbietung aller inneren Lesekräfte und mit schierem Willen ein Buch, ein Monstrum, durchgehalten habe, auf das ich mich sehr gefreut hatte, das sich dann aber schon nach wenigen seiner über tausend Seiten als irgendwie verquer und unausgegoren, energieraubend im schlechtesten Sinne herausstellte. Aber da ja die Hoffnung wie immer zuletzt das Zeitliche segnet, hab ich mich dann doch am Riemen gerissen, immer in der zunehmend schwindenden Erwartungshaltung, dass sich doch bitte bitte irgendwann noch etwas tun, die story einen genialen Kniff oder Dreh erleben möge, der neues Interesse am Fortgang der Dinge wecken könnte. Aber Fehlanzeige auf ganzer Linie. Liebloses, irgendwie uninspiriertes Geschreibe, das nicht mal ansatzweise an die visionären Feuerwerke anderer genialer Schöpfer von Zukunftswelten heranreicht. Ja, ich bin so was von erleichtert. Es hinter mir zu haben, ohne abzubrechen, und dass ich mich endlich wieder lohnenderer Lektüre widmen kann. Und an die vertane Lesezeit darf man nicht mal denken. Aber ein (einziges) Gutes hat es ja gehabt: Tägliches Training der Armmuskulatur durch lesegerechtes Halten eines kiloschweren Wälzers.

Noch kurz zur Geschichte: Durch irgendeine interstellare Katastrophe wird der Mond getroffen und bricht in kleinste Trümmer auseinander, die in den kommenden zwei Jahren auf die Erde herabregnen, diese komplett verwüsten und die Menschheit damit auslöschen werden. Im Wettlauf mit der Zeit bereiten die Nationen daher gemeinsam das Überleben ihrer Spezies im Weltraum vor und bauen hierzu mangels Alternativen die ISS als Rettungsinsel für einige hundert Auserwählte aus, die überleben sollen. Da sich die Erdbewohner schon in normalen Zeiten nicht grün sind, potenzieren sich alle Probleme unter dem Zeitdruck dieser Extremsituation natürlich sprunghaft.

Mann, was hätte man aus dieser Grundidee (und nur für diese gibts den einen Stern) alles machen können, eine handfeste, solide, packende Geschichte. Stattdessen ergeht sich Stephenson über hunderte von Seiten in endlosen technischen und völlig unwichtigen Detailbeschreibungen seiner Raumarchen und des ganzen Drumherums, was vielleicht ein paar Nerds oder Raketenwissenschaftler oder wen auch immer in Verzückung setzen mag, den normalen Leser wie mich aber endlos langweilt und die eigentliche Handlung immer wieder fast zum Stillstand bringt. Und wer sich zumindest zum Ende hin nach einem Zeitsprung von 5000 Jahren zumindest noch ein fulminantes Ende erhofft, wird ebenso maßlos enttäuscht. Und wie schon in seinen früheren Werken zeigt sich auch hier wieder ganz deutlich: Menschen formen kann Stephenson einfach nicht. Alle Figuren bleiben absolut farblos, austauschbar, unsympathisch. Sie sind hier ganz deutlich erkennbar reines Mittel zum Zweck und reagieren durchgängig irgendwie unlogisch, abstoßend, fremdartig, geradezu unmenschlich. Nicht zu einem einzigen Protagonisten konnte ich auch nur ansatzweise irgendeine Verbindung aufbauen, geschweige denn Interesse an seiner/ihrer persönlichen Weiterentwicklung spüren. Total egal, alles wird der rein technisierten Denke und Zielsetzung des Autors unterworfen.

So funktionieren Science-Fiction-Bücher leider nicht. Wie es anders geht, haben sonstige Autoren bestens bewiesen. Schade drum. Von daher: Mr. Stephenson, wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin gutes literarisches Gelingen. Aber ab sofort ohne mich, denn einen weiteren Versuch werde ich nicht mehr starten. Never ever! Farewell!
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Amalthea
Amalthea
Neal Stephenson
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