Es gibt Bücher, die kann man nur mit 5 Sternen bewerten - einfach, weil es uns nicht zusteht, über das zu urteilen, was dort an biografischen Erlebnissen beschrieben wird. Natascha Kampusch' Schicksal ist solch ein Fall. Es ist völlig irrelevant ob sie sich sprachlich immer elegant ausdrückt, ob ihr Bericht dramaturgisch geschickt gebaut wurde oder gar ob die Story spannend ist - relevant ist einzig und alleine, dass sie uns Einblick gewährt in eine lebensbedrohliche Lage, die über viele Jahre anhielt. Es gebührt ihr großer Respekt, dass sie sich von ihrem Entführer und Peiniger nicht hat kleinkriegen lassen, auch wenn sie zwischendurch immer wieder an dem Punkt war, sich aufzugeben. Es gebührt ferner großen Respekt, dass sie sich erneut verletzlich macht, indem sie ihre Erfahrungen, ihre Sichtweisen, ihre intimen Gedanken und Empfindungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.

Mich hat ihr Buch sehr berührt, weil es eine Frau zeigt, die empathisch ist und sich ihre Empathie auch erhalten konnte in den Jahren, in denen andere kalt und abgestumpft wären. Weil sie mutig war und ist. Und weil sie klug ist. Sie urteilt nicht aus Zorn heraus, was man ihr verzeihen würde. Sie urteilt aus Weisheit. Das hat mich beeindruckt. In diesem Sinne ist ihre frühe Autobiografie ein Buch mit Vorbildcharakter für uns alle, die viel weniger Leid zu tragen haben.
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3096 Tage
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Natascha Kampusch
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