Lange hatte ich mich dagegen gewehrt, dieses Buch zu lesen; alleine wegen des Titels. "Magic cleaning" - das klingt reißerisch und nach Vodoo-Zauber in meinen Ohren. Doch nachdem ich auf YouTube einigen Marie-Kondo-Fans begegnete, die mit guten Aufräum-Tipps um die Ecke kamen, habe ich schließlich doch zugegriffen.

Marie Kondo hat einen Welthit mit diesem Buch gelandet. Das TIME-Magazin zählt sie zu den 100 "most influential people". Tatsächilch ist es ihr gelungen, dem Thema "Aufräumen" neuen Schwung zu geben. Nicht zuletzt, weil sie den Spieß umdreht: es geht nicht ums Wegwerfen, sondern ums Behalten. Die übliche Frage, ob etwas weg kann, tritt in den Hintergrund. Wichtiger ist vielmehr die Frage, ob ein Gegenstand Freude bereitet ("sparkling joy"). Wenn ja, darf er bleiben. Wenn nein: weg damit. Ansonsten ist ihre Aufräummethode eigentlich wenig revolutionär und vieles daran erinnert mich an meine Mutter, die mir als Jugendlicher immer ins Gewissen zu reden versuchte, dass ein unordentliches Zimmer einen ungeordneten Geist repräsentiere. Marie Kondo hat ihre Vorschläge in 5 Grundideen gegossen:
1. Alles auf einmal, in kurzer Zeit und perfekt aufräumen
2. Alle Dinge zum Aufräumen werden auf einem Haufen gesammelt
3. Entscheiden, was weggeworfen wird aufgrund der Frage: Macht es mich glücklich, wenn ich diesen Gegenstand in die Hand nehme?
4. Jeder Gegenstand, den man behält, bekommt seinen Platz zugewiesen
5. Alle Dinge müssen dort richtig verstaut werden*

Damit habe ich aber auch schon das komplette Buch gespoilert. Was sie schreibt, wiederholt sich vielfach. Ihre Ideen hätten auch in eine Broschüre gepasst. Tatsächlich fühlte ich mich oft meiner Zeit beraubt, wieder und wieder die gleichen Hinweise zu lesen. Darüber hinaus hat mich gestört, dass das Aufräumen und Aussortieren gleichsam zur Lebensphilosophie wenn nicht zur Religion erklärt wird. Trennt man sich von Klamotten, Duchgels, Geschirr, Erinnerungsstücken und allem anderen, werde man in allen Lebensbereichen glücklich und erfolgreich - so der etwas verkürzt dargestellte Zwischenton des Buches. Das passt zum Minimalismustrend der wohlstandssatten Vielhaber. Es zeichnet aber zugleich ein romantisierendes Bild der Habenichtse - und das ist meiner Lebenserfahrung nach meilenweit entfernt von der Realität.

Zusammengefasst: wer einen neuen Impuls braucht, um endlich seine überbordende Regale auszumisten, findet sicherlich ein paar gute Ansätze in dem Buch. Aber es reicht, sich das Buch in einer Leihbücherei zu borgen oder die Zusammenfassungen der Kondo-Fans auf YouTube anzusehen.

* Diese Auflistung ist der deutschsprachigen Wikipedia-Seite über Marie Kondo entnommen
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Magic CleaningMagic Cleaning
Magic Cleaning
Marie Kondo,Monika Lubitz
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2 Wows
Christina Striewski
12 January, at 17:18
So einen Ratgeber brauche ich als Jungfrau eh nicht - wohl eher einen, wie ich mal so richtig Unordnung in mein Leben bringe. 😂 🙌
rumblebee
16 January, at 20:07
Hast Du die "simplify"-Bücher von Werner Tiki Küstenmacher gelesen? Der baut das ja noch mehr aus, zu einer ganzen Geschäftsidee, einer Buchreihe. All...
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